Training Sozialer Kompetenzen

Im Allgemeinen wird oft angenommen, ein Mensch sei „vom Typ her“ durchsetzungsstark und selbstbewusst, während es anderen „von Natur aus“ an Durchsetzungsvermögen fehle. Selbstsicherheit (Assertiveness) wird somit häufig – fälschlicherweise – als grundlegende angeborene Eigenschaft betrachtet. Untersuchungen zeigen hingegen die Situationsabhängigkeit von sozial kompetentem Verhalten und den Zusammenhang mit entsprechenden Lernerfahrungen und -möglichkeiten während der persönlichen Entwicklung über die Lebensspanne.

Soziale Kompetenzen und Kompetenzdefizite

Unter sozialer Kompetenz werden Verhaltensweisen verstanden, sich selbst in zwischenmenschlichen Situationen angemessen einbringen und auf kommunikative Problemlösungsstrategien zurückgreifen zu können. Stehen Kommunikationsstrategien zur Verfügung, können ausgewogene Kompromisse zwischen eigenen Wünschen einerseits und sozialer Anpassung andererseits eingegangen werden. Dadurch können grundlegende zwischenmenschliche Bedürfnisse wie bspw. nach Anerkennung, Wertschätzung, Zuneigung, Respekt oder Selbstbestimmung in sozialen Kontakten befriedigt werden. Dies fördert eine positiv wertschätzende Selbstwahrnehmung und -bewertung, so dass sich ein Selbstwertgefühl, eine Zufriedenheit mit sich und ein Selbstbewusstsein festigen können. Selbstsicherheit ist folglich mehr als „nur“ soziale Kompetenz.

Personen mit sozialen Ängsten können zum einen in ihrer Biographie ungünstige Lernerfahrungen gemacht haben, so dass soziale Fertigkeiten und Umgangsstrategien nicht ausreichend erlernt bzw. geübt werden konnten (soziale Kompetenzdefizite). Zum anderen werden auch regelrecht Mobbingerfahrungen oder Ausgrenzungserlebnisse während sensibler Entwicklungsphasen (v.a. Kindheit oder Pubertät) berichtet, die zumeist mit Rückzugsverhalten (Vermeidung) und negativen Selbstbewertungen (Selbstzweifel) einhergingen.

In der Verhaltenstherapie werden bei der Behandlung sozialer Ängste – gemäß dem ATP-Konzept (Ullrich & Ullrich de Muynck) sowie dem GSK-Konzept (Hinsch & Pfingsten) – folgende Zielsetzungen verfolgt:

Die Behandlung von sog. Sozialen Phobien oder sog. ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörungen wird meist im Einzelsetting und/oder im Gruppensetting durchgeführt. Beim Training sozialer Kompetenzen in der Einzeltherapie kann ein individueller Behandlungsplan aufgestellt werden. Als Methoden werden insbesondere zum Aufbau sozialer Kompetenzen Rollenspiele und zum Abbau der Ängste und des Vermeidungsverhaltens graduierte – d.h. im Schwierigkeitsgrad gestufte – Konfrontationsübungen eingesetzt. Aber auch kognitive und emotionsfokussierte Techniken zur Veränderung der Selbstwahrnehmung und Selbstbewertung werden in der Einzeltherapie an die jeweiligen biographischen Lernerfahrungen angepasst.

In den meisten Fällen ist eine begleitende Gruppenpsychotherapie (sog. Soziale-Kompetenz-Gruppe) zu empfehlen, da positiv-korrigierende Lernerfahrungen mit anderen im direkten Kontakt, jedoch im geschützten Rahmen, eingeübt werden können.

Gerne berate und unterstütze ich Sie mit einem Training sozialer Kompetenzen im Einzelsetting bei vorliegenden sozialen Ängsten.

Quellen:
Ullrich, R. & Ullrich de Muynck, R. (2006). ATP 2: Einübung von Selbstvertrauen – Grundkurs. Stuttgart: Klett-Cotta.
Hinsch, R. & Pfingsten, U. (2015). Gruppentraining sozialer Kompetenzen GSK. Weinheim: Beltz.
Güroff, E. (2016). Selbstsicherheit und soziale Kompetenz. Stuttgart: Klett-Cotta.

Ratgeber:
Hinsch, R. & Wittmann, S. (2003). Soziale Kompetenz kann man lernen. Weinheim: Beltz.
Consbruch, K. & Stangier, U. (2010). Ratgeber Soziale Phobie. Göttingen: Hogrefe.

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